Erfolgsdruck im Amateursport

Wenn der Olympische Gedanke – „Dabei sein ist alles“ nicht mehr im Vordergrund steht und es zur Sucht wird.


Viele Sportler/innen kennen mittlerweile dieses Problem:

alles muss höher, schneller, weiter gehen. Oftmals kommt es auch vor, dass vor allem im Amateursport Athleten zu leistungssteigernden, aber illegalen Substanzen zurückgreifen.

Natürlich hat man meistens auch Freude daran, an dem was man tut. Allerdings wenn diese Freude in Sucht umschlägt und diese Sucht sich negativ auf den Körper und Geist auswirkt, dann sollte man definitiv dagegen steuern.

Ein gesundes „Sound Mind Sound Body“ – sprich
ein „Gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper“ ist für die Athleten sehr wichtig, um nicht in eine sportliche Depression zu fallen oder einen gesundheitlichen Schaden davon zu tragen.

Aus diesem Grund habe ich ein ausführliches Gespräch mit Frau Iris Gremer, MSC, Psychotherapeutin aus Rum über dieses Thema geführt.


Frau Gremer ist langjährige und erfahrene Psychotherapeutin. Früher noch in der Wirtschaft tätig, war für sie bald klar, dass ihre Berufung dort liegt, wo sie direkt Unterstützung anbieten kann.

Menschen auf ihrem Weg begleiten zu können, um gemeinsam ihren persönlichen Sinn zu finden, ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Ihre Kontaktdaten lauten:
Iris Gremer MSC
+43 650 22 06 811
i.gremer@ikbnet.at
http://www.irisgremer.at

Zum Gespräch:

 
Liebe Iris, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, um über dieses Thema ausführlich zu sprechen. Auch unter deinen Kunden ist „Erfolgsdruck im Sport“ immer wieder Thema.

Warum ist die heutige Gesellschaft so von Erfolgsdruck geprägt?

Ja, der Erfolgsdruck ist definitiv spürbar vorhanden. Dieses Problem entsteht unter anderem auch durch unsere starke Konsumgesellschaft. Es haben sich mittlerweile auch die Werte etwas geändert bzw. werden diese zum Teil „falsch“ gelebt. Die Menschen sind sehr stark geprägt vom Gefühl „Du bist nur etwas wert, wenn du etwas leistest“.

Was ist der Hauptgrund für diesen Druck im Sport?

Im Sport wird man beinhart „aussortiert“, wenn du nicht alles bringst, bist du gleich mal weg. Auch die Amateursportler/innen haben zum Teil mittlerweile dieses Gefühl. Dabei ist jeder Mensch gleich viel Wert.

Wie entsteht Erfolgsdruck überhaupt?
Das hat sehr viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Ob jemand in Gefahr läuft, in dieses Schema zu fallen. Es kommt auch auf die Erziehung darauf an, mit welchen Werten man erzogen worden ist, das „Wie bin ich aufgewachsen“. Vor allem mit dem „Wie bin ich aufgewachsen“. Im Fachjargon sprechen wir auch vom „pyramidalen Wert“. Was steht bei uns oben an erster oder wichtigster Stelle. Natürlich hat jeder Mensch gewisse Bereiche, die ihm sehr wichtig sind, jedoch sollten vielmehr mehrere Werte nebeneinanderstehen und nicht über- oder untergeordnet sein, wie zum Beispiel Familie, Beruf, Sport, Gesundheit, etc.

Zum Problem wird etwas immer, wenn ein Wert „über allem“ steht. Natürlich darf es eine Reihung geben, aber es ist eben ein schmaler Grat, mit welcher Bedeutung man einen Wert zuordnet.

„Wenn eines zu wichtig wird, dann entsteht ein Problem“. Wenn ich es schaffe, mehrere Werte ausgeglichen zu leben, laufe ich nicht so sehr Gefahr, in diesen Druck zu kommen.

Wie wirkt sich Leistungssport auf die Psyche des Sportlers aus?

Leistungssport ist ein wichtiger Zeitfaktor, denn neben dem Sport gibt es kaum noch etwas Anderes für diese Personen, denn vor allem wenn es zum Beruf wird und die Leistung nicht passt, kann es auch existenzbedrohend werden.

Um Leistungssportler zu werden, braucht es auch eine eigene Persönlichkeitsstruktur, man muss sich nämlich im Klaren sein, dass von der Psyche her nicht jeder Leistungssportler werden kann.
Einige Sportler haben auch keine zusätzliche berufliche Ausbildung gemacht und stehen dann vor einem sprichwörtlichen Scherbenhaufen am Ende ihrer Karriere, wenn aus dem Leistungssport kein Einkommen mehr erzielt werden kann.

Gibt es Sportarten, die gut sind für die Psyche?

Jegliche Sportart, die gut für den Körper und Geist sind und man eben nicht in diesen Erfolgsdruck kommt. Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper, ist diese Balance nicht ausgeglichen, kann es oft zu gröberen Problemen kommen.

Was kann ich tun, wenn ich nervös bin vor einem Laufwettbewerb?

Eine gewisse Nervosität ist wichtig und das darf auch sein. Es gibt ja zwei Arten von Stress, den positiven und negativen. Der positive wirkt sich gut auf uns aus, leistungsfördernd und auch steigernd, zu viel negativer Stress wirkt auf Dauer gesundheitsschädlich.


Allerdings gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort. Aber um ein paar Möglichkeiten aufzuzeigen:
Sich am Tag davor auch ablenken, oder aktiv mit etwas anderem beschäftigen, wie zum Beispiel meditieren, Yoga und Entspannungsübungen, etc.
Als Therapeutin arbeite ich gern „paradox, weil Nervosität ist ja auch mit Angst verbunden. Ich sag dann oft: Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Dass du letzter wirst? Dass du dich übergeben musst wegen zu viel körperlicher Anstrengung? Es ist auch gar nicht notwendig, die Nervosität ganz wegzubringen, das gehört im Leben dazu.

Wie kann ich mich am besten gegen diesen Erfolgsdruck schützen?

Indem ich im Grunde „gut bei mir selbst bin“, gut im Leben steh und eben mich auf mehrere Bereiche fokussiere und den sportlichen Bereich nicht allein an oberster Stelle stehen lasse.
Wenn ich für mich weiß, ich bin gut und wertvoll, dann ist das ein gutes Rezept, denn selbst wenn ich letzter werde, bin ich trotzdem gut und etwas wert.

Was kann ich tun, um aus diesem Erfolgsdruck raus zu kommen?

Gesprächstherapie suchen *lacht* natürlich ist das eine Möglichkeit, wenn der Leistungsdruck zu hoch ist. Ganz aufgeben wäre falsch, denn das ist nur ein Gefühl der Flucht. Besser wäre es, diesen Druck in positive Energie
umzuwandeln indem ich mir herhole, warum mache ich Sport. Laufe ich nur, um der Beste zu sein, oder um mir selbst etwas Gutes zu tun und Spaß zu haben? Sich selbst reflektieren und sich die Frage stellen, warum mache ich das?
Man muss eben genau hinschauen, ob man den Druck auch anders abbauen kann, ohne dass man den Sport komplett weg lässt.

Was kann ich machen, wenn ich in der Familie, Freundeskreis wen habe, der offensichtlich unter Erfolgsdruck leidet?

Grundsätzlich kann man sagen: reden tut immer gut, sofern es die Person zulässt und will. Als „Außenbeteiligter“ muss man sich auch trauen, das Thema oder das Gefühl, das man hat, anzusprechen. Vielleicht kann man gemeinsam etwas erreichen.
Wir Therapeuten sind auch nicht die „Heiler in Person“, wir hören auch zu, und oft nützt es den Menschen einfach, dass ihnen jemand zuhört und sie auch wirklich ernst nimmt.
Auch wenn es für jemanden selbst unverständlich ist, dass es Personen gibt, die sich sportlich so unter Druck setzen lassen.

Warum hat man nach jedem Erfolg das Gefühl, es muss höher, weiter, schneller gehen?

Gegenfrage: Warum willst du schneller werden oder längere Distanzen laufen? Natürlich möchte sich jeder im Laufe seiner Karriere steigern oder verbessern, vor allem, wenn man gerade auf einer Erfolgswelle ist, das ist ganz natürlich.
„Es ist nur dann genug, wenn ich mich selbst kenne und mit mir selbst im Reinen bin“. Denn manchen Menschen geht es am Schlechtesten, wenn sie an 1. Stelle stehen, weil sie große Angst davor haben, dass es nur noch nach unten gehen kann.

Und wenn ich dann selbst nicht mit mir zufrieden bin, was ich habe, dann wird es mir immer schlecht gehen. Wichtig ist zu schauen, was brauche ich um glücklich zu sein.

Irdisch kann einem alles genommen werden, Beziehung, Sport, Job…. Aber das was ich in mir selbst drin habe, meine Erinnerungen, Erfahrungen, mein Glück…das kann mir keiner nehmen. Auch vergangene Erfolge nicht.

All das, was ich bereits geschafft habe, muss man Wert schätzen.

Schlusswort von Geri Spielvogel:
Habt Spass an dem, was ihr macht und was ihr tut, ein gewisser Druck ist für den eigenen sportlichen Erfolg gut und wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Sobald aber dieser Druck sich negativ auf den Körper oder Geist auswirkt, ist definitiv „Handeln“ angesagt.
Schaut auch aktiv auf euch und auf eure Mitsportler, traut euch, dieses Thema im Kreise eurer Familie, Freunden, Mitstreiter anzusprechen. Bietet das Gespräch an. 

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